Über Halbmenschen und zweifelhafte Geschöpfe

Aus falschen Worten wird falsches Denken. Und dem folgen Taten. Deshalb sind es gefährliche Worte.

Robert Koall, Chefdramaturg am Dresdener Schauspielhaus

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Wenn Schriftsteller zu diskursiven Waffen greifen, ebnen sie den Weg für physische Ausschreitungen. Matthias Matussek, Sibylle Lewitscharoff und Thilo Sarrazin sind Beispiele einer düsteren Tendenz.

Matussek hat sich vor ein paar Wochen mit einem semantisch abstrusen Meinungsartikel als offener Schwulenfeind geoutet (“Ich bin wohl homophob. Und das ist auch gut so”). Lewitscharoff ist bei ihrer “Dresdener Rede” mit erschreckenden Thesen zu künstlichen Befruchtungstechniken aufgefallen: Bei den derart gezeugten Wesen handele es sich um “Halbmenschen” und “zweifelhafte Geschöpfe”.


Auch Horst Seehofer zündelt mit seiner populistischen Parole “Wer betrügt, der fliegt” gegen Armutseinwanderung aus Osteuropa.
Beide nutzen die von Thilo Sarrazin derzeit feuilletontauglich gemachte Strategie des vermeintlichen “Gesinnungsterrors” welches ihre Meinungsfreiheit bedrohe. “Die Medien” stellten sie alle in eine fragwürdige Ecke in welche sie nicht gehörten.

Diese perfide Vorgehensweise sorgt auf Dauer für eine schleichende Normalisierung minderheitenverachtender Positionen, da vordergründig nicht  die Inhalte, sondern Diskurspraktiken thematisiert werden. Minderheiten wird so die Zugehörigkeit in der Mehrheitsgesellschaft abgesprochen und Identität durch Abgrenzung erzeugt.

Wohin dies letztlich führt, haben wir in den 1990er mit Rostock-Lichtenhagen und der NSU erneut erfahren müssen.  

08. March 2014 by feezenfreezen
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